Lächerlich ist das. Anders kann man es nicht sagen. Kaum wird ernsthaft darüber geredet, den Wehrdienst einzuschränken—die Oppositionsparteien wollen ihn ja schon seit Jahren los werden—schon beginnt der große Aufschrei. Der Anfang vom Ende des Zivildienstes sei gekommen, und die Gesellschaft werde zugrunde gehen. Oder so ähnlich.
Ich kann die Leute, die sich darüber aufregen, dass der Dienst auf sechs läppische Monate verkürzt wird, weil in so einem Zeitrahmen nichts vernünftiges mit den Zivildienstleistenden anzufangen sei, vollkommen verstehen. Sie haben ja recht. Ich denke auch, dass die Bundeswehr mit Sechsmonatsrekruten wenig, oder zumindest wenig vernünftiges, anfangen können wird. In dem aktuellen Zeitraum von neun Monaten kommt natürlich auch selten etwas sinnvolles bei raus, die Verkürzung macht es aber auch nicht besser. So oder so ist dieses System militaristisch, sexistisch und, Stichwort Wehrgerechtigkeit, überhaupt ziemlich ungerecht. Man sollte diesen Unfug einfach abschaffen.
Die FDP wollte das ja. Das haben die so gesagt, das stand so im Wahlprogramm. Das ist gar nicht so lange her. Unter versammelter Union haben unsere gelben Freunde dann aber, natürlich, nachgegeben, und jetzt haben wir den Salat. Das Zivildienst hat seinen Sinn offensichtlich verloren. Hätte man den Wehrdienst 1990 in seiner frisch gefundenen Sinnlosigkeit abgeschafft, hätten wir dem Zivildienst noch ordentlich nachtrauern können, jetzt wird er, wenn man dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und Konsorten glauben kann, jämmerlich abkratzen.
Nehmen wir einmal an, dass wir, als Gesellschaft, tatsächlich einen Zivildienst brauchen, um unsere sozialen Einrichtungen unterhalten zu können. Wenn das so ist, und diese Frage sollte man sich ernsthaft zu stellen trauen, so sollte man ihn natürlich ausweiten. Mehr Zivildienst! Aber—wozu braucht man dabei den Wehrdienst? Eine Lösung des Dilemmas liegt auf den Hand: Den Wehrdienst nicht einfach abschaffen, sondern ihn ersetzen. Und zwar durch einen allgemeinen Zivil- oder Sozialdienst einer angemessenen Länge. Wenn das Militär nicht mehr mitspielt, sind auch wir Pazifisten glücklich. Wenn auch Frauen betroffen sind, ist der größte Formfehler der hiesigen Gleichberechtigung endlich fort. Wenn der Dienst 9 oder 10 Monate dauert, dann dürften die Wohlfahrtsorganisationen mit der Dauer glücklich sein, und dann können auch FSJ, FÖJ und ADiA als „höhere”, größeres Engagement verlangende Spielformen derselben Sache erhalten bleiben. Gibt es Argumente dagegen, mal abgesehen vom üblichen „Ohne Wehrdienst fällt Deutschland an die Kommunisten!”? Nein. Naja, ich kenne Eines: Im Rahmen eines solchen Pflichtdienstes fehle es an Motivation und an Engagement. Ha! Bringen Zivis das denn in einem größeren Maß mit? Ehrlich? Die können doch genauso wenig anders, die müssen das doch auch machen. Ein Zivildienst ist nun mal, egal wie man ihn dreht oder wendet, kein Freiwilligendienst.
