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Kopenhagen ist ja im Moment der Gipfel der Weltpolitik. Ob das letztendlich was bringt, sei für den Moment dahingestellt. Wie auch immer das ausgehen mag*, wie auch immer man dazu stehen mag, gewisse Prinzipien sind und bleiben eben das: Prinzipien, unverrückbare Prinzipien. Jetzt möchte ich die öffentlich-rechtlichen deutschen Rundfunkanstalten zitieren:
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir möchten hiermit gegen die massive Beschränkung der freien Berichterstattung auf dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen protestieren. Seit heute dürfen sich Journalisten im Konferenzzentrum nicht mehr frei bewegen. Drehs außerhalb des Pressezentrums sind nur noch möglich, wenn ein Delegationsmitglied das Kamerateam und den Reporter an der Sicherheitsschleuse abholt und das Team dann von einem UN-Verantwortlichen begleitet wird. Spontane Drehs sind unmöglich. Selbst die UN-Medienkoordination wurde offenbar von diesen Maßnahmen überrascht, da die Verschärfung nicht angekündigt war. Diese Maßnahmen verstoßen gegen die Presse- und Rundfunkfreiheit und behindern die Arbeit der Medien in höchstem Maße. Wir sehen das Recht der freien Berichterstattung massiv eingeschränkt. Daher fordern wir die sofortige Aufhebung dieser Einschränkung für alle Journalistinnen und Journalisten auf dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen.
Mit freundlichen Grüßen,
Nikolaus Brender Thomas Baumann
Quelle: heute.de (ZDF)
Chefredakteur ZDF Chefredakteur ARD
War es nicht schön, damals, als man oben in Dänemark von einer doch recht freien Presse ausgehen konnte? Erinnern Sie sich an die Muhammad-Karikaturen?
Nur die Presse einzuschränken, wäre natürlich auch langweilig. Deswegen hat man sich in København offensichtlich mal zusammengesetzt und beschlossen, harmlose, weitgehend friedliche Demonstranten zusammenzuschlagen, und sich überlegt, dass es bei hunderttausenden von Protestierenden niemandem auffällt, wenn man mal schnell 1.000 Leute in einer Seitenstraße einsperrt und foltert.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
* PS: Fail.
Lächerlich ist das. Anders kann man es nicht sagen. Kaum wird ernsthaft darüber geredet, den Wehrdienst einzuschränken—die Oppositionsparteien wollen ihn ja schon seit Jahren los werden—schon beginnt der große Aufschrei. Der Anfang vom Ende des Zivildienstes sei gekommen, und die Gesellschaft werde zugrunde gehen. Oder so ähnlich.
Ich kann die Leute, die sich darüber aufregen, dass der Dienst auf sechs läppische Monate verkürzt wird, weil in so einem Zeitrahmen nichts vernünftiges mit den Zivildienstleistenden anzufangen sei, vollkommen verstehen. Sie haben ja recht. Ich denke auch, dass die Bundeswehr mit Sechsmonatsrekruten wenig, oder zumindest wenig vernünftiges, anfangen können wird. In dem aktuellen Zeitraum von neun Monaten kommt natürlich auch selten etwas sinnvolles bei raus, die Verkürzung macht es aber auch nicht besser. So oder so ist dieses System militaristisch, sexistisch und, Stichwort Wehrgerechtigkeit, überhaupt ziemlich ungerecht. Man sollte diesen Unfug einfach abschaffen.
Die FDP wollte das ja. Das haben die so gesagt, das stand so im Wahlprogramm. Das ist gar nicht so lange her. Unter versammelter Union haben unsere gelben Freunde dann aber, natürlich, nachgegeben, und jetzt haben wir den Salat. Das Zivildienst hat seinen Sinn offensichtlich verloren. Hätte man den Wehrdienst 1990 in seiner frisch gefundenen Sinnlosigkeit abgeschafft, hätten wir dem Zivildienst noch ordentlich nachtrauern können, jetzt wird er, wenn man dem Paritätischen Wohlfahrtsverband und Konsorten glauben kann, jämmerlich abkratzen.
Nehmen wir einmal an, dass wir, als Gesellschaft, tatsächlich einen Zivildienst brauchen, um unsere sozialen Einrichtungen unterhalten zu können. Wenn das so ist, und diese Frage sollte man sich ernsthaft zu stellen trauen, so sollte man ihn natürlich ausweiten. Mehr Zivildienst! Aber—wozu braucht man dabei den Wehrdienst? Eine Lösung des Dilemmas liegt auf den Hand: Den Wehrdienst nicht einfach abschaffen, sondern ihn ersetzen. Und zwar durch einen allgemeinen Zivil- oder Sozialdienst einer angemessenen Länge. Wenn das Militär nicht mehr mitspielt, sind auch wir Pazifisten glücklich. Wenn auch Frauen betroffen sind, ist der größte Formfehler der hiesigen Gleichberechtigung endlich fort. Wenn der Dienst 9 oder 10 Monate dauert, dann dürften die Wohlfahrtsorganisationen mit der Dauer glücklich sein, und dann können auch FSJ, FÖJ und ADiA als „höhere”, größeres Engagement verlangende Spielformen derselben Sache erhalten bleiben. Gibt es Argumente dagegen, mal abgesehen vom üblichen „Ohne Wehrdienst fällt Deutschland an die Kommunisten!”? Nein. Naja, ich kenne Eines: Im Rahmen eines solchen Pflichtdienstes fehle es an Motivation und an Engagement. Ha! Bringen Zivis das denn in einem größeren Maß mit? Ehrlich? Die können doch genauso wenig anders, die müssen das doch auch machen. Ein Zivildienst ist nun mal, egal wie man ihn dreht oder wendet, kein Freiwilligendienst.
Sich über den Tod eines Menschen freuen ist eine fürchterliche Sache. „Freuen” ist auch kein Verb, das meine Reaktion auf die Neuigkeit beschreibt. Man kann jedoch sagen, dass ich erleichtert bin. Eine Erleichterung, die, in Fällen die dem Riegers, weniger mit dem biologischen Tod als mit dem unausweichlichen politischen Tod zusammenhängt. Jürgen Rieger spielt keine Rolle mehr, er ist passé. [1]
Rieger war Rechtsanwalt und Nazi. Ein gekonnter Verteidiger sowie ein einflussreiches und wohlhabendes Mitglied der neonazistischen rechtsradikalen Partei NPD, der wohl zur Zeit einflussreichsten Gruppierung am äußeren rechten Rand des politischen Spektrums in Deutschland. Geld, Jura, und Faschismus—eine explosive, aber auch, und vor allem, absolut widerliche Kombination.
Fangen wir mit dem wohl Offensichtlichsten an: Jürgen Rieger war Rassist, das versteht sich in seiner Partei ja wohl von selbst. Er war natürlich nicht vollkommen blöde und wusste in seinem gutbürgerlichen Stande, das zu kaschieren. Rieger verstand, wie alle einflussreichen europäischen Faschistenführer, allen voran Nick Griffin [2], dass manche Themen im Angesicht der breiten Öffentlichkeit besser nicht so genau beleuchtet sein sollten, wenn es darum geht, Wähler zu gewinnen. Sonnenklar wird das Bild hingegen, wenn so einer vor laufender Kamera von einer schwarzen Reporterin konfrontiert wird[3].
Neben der wohl unbestreitbaren und unbestreitbar widerlichen Tatsache, dass Rieger ein Faschist erster Güte mit allem drum und dran war, muss betont werden, dass er auch ein absolut scheußlicher und genialer Betrüger war, der er auch noch schaffte, dabei Schlagzeilen zu machen.
Rieger mochte Immobilien.
Manchmal kaufte er sie. Er hatte ja das Geld. Diese Häuser überlies er dann gerne der verarmten Partei, die etwas Raum gut brauchen konnte. Das, kombiniert mit den vielen Spenden seinerseits an die NPD, dürften nach seinem Tod interessant werden—können die Nazis ohne Riegers Vermögen auskommen? (Mehr dazu in der taz[1]) Interessanter sind allerdings die Fälle, in denen er nur so tat, als wollte er ein Gebäude kaufen. Das passierte immer wieder, und lief ungefähr so ab:
Die Presse erfährt: „Jürgen Rieger will [altes Gebäude] für [überhöhter Preis] kaufen und ein NPD-Schulungszentrum daraus machen.” Die örtliche Bevölkerung hört davon, ist empört, und geht auf die Straße. Die Gemeinde ist dadurch so enorm unter Druck, dass sie die Immobilie selbst für eine Unsumme erwerben, um die NPD fernzuhalten. Resultat: Vorbesitzer ist glücklich, da Geld statt Bruchbude. NPD und Rieger sind glücklich, da Beachtung durch die Medien und Anteil am Verkaufspreis für das „Marketing”. [4]
Das alles könnte nun vorbei sein.
| [1] | Quelle: taz, Süddeutsche Zeitung |
| [2] | Führer der britisch-nationalistischen BNP, vgl. BBC-Portrait |
| [3] | Interview: Mo Asumang — Jürgen Rieger |
| [4] | siehe Bericht auf YouTube |
Dieser Kerl ist ein sehr guter Freund von mir. Er ist es, dem ihr dieses kurze, deutschsprachige Intermezzo aus dem Real-Life auf diesem meinem Blog verdankt.

Das ist Benny. Benjamin Bachmaier ist Segelflieger in Königsdorf und ist gerade auf dem Weg nach Ansbach. Ich bin heute, für einen Feriensonntag, außergewöhnlich früh aufgestanden, um ihm beim Flugzeug packen, beim Startschuss zu helfen.
Es ist eine gute, alte, europäische und auch vor allem deutsche Tradition, Heiden und anderen „Falschgläubigen” das Leben zu erschweren. Römische Missionare legten wohl den Grundstein für dieses System, das bald in den Hintergrund rückte: alle waren römisch-katholische Christen. Außer natürlich die paar Juden, die über das Land verteilt waren — kein großes Problem, wobei natürlich die Tatsache, dass sie nicht nur Jesus umgebracht hatten, sondern auch komische Hüte und Bärte trogen, war sicherlich nicht besonders hilfreich, wenn es um soziale, interreligiöse Beziehungen ging.
Nein, das mit der Ketzerei artete erst ein paar Jahrhunderte später wieder aus, nämlich als ein kleiner unbedeutender Mönch etwas gegen die Kirche sagte. Voilà, 30 Jahre Krieg, ziemlich blutig, und gefolgt von einem „Religionsfrieden”, der im Grunde nichts anderes war als eine im ganzen Reich geltende Erlaubnis für die Herrschenden, im eigenen Land Kirchen, die einem nicht passten, auszulöschen.
Heute hat sich das in Deutschland natürlich weitgehend geregelt. Protestanten und Katholiken haben sich darauf verständigt, zueinander freundlich zu sein, und alles Nichtchristliche soweit wir möglich zu unterdrücken. Das wird durch Ansätze demokratischer Bestrebungen erschwert, aber das Projekt läuft doch, für europäische Verhältnisse, ganz ordentlich.
Stichwort Tanzverbot. An gewissen Tagen, wie dem kommenden Freitag, der von den Kirchen mithilfe eines ominösen luni-solaren Kalendersystems zum „Karfreitag” erhoben wurde, gilt ein allgemeines, gesetzliches, irrationales Verbot von öffentlichen Tanzveranstaltungen, Musik in Gaststätten, und wahrscheinlich noch einigen anderen Sünden.
Kirchen und andere Sekten meines außerdem, in U-Bahnen, Bussen und sonstwo im Lande Werbung platzieren zu müssen, auf der die 0190-Nummern der PR-Leute des Messias gezeigt wird. Um diesen Plakaten, die uns sagen, dass wir gerettet werden müssen, entgegenzuwirken, sind einige Leute auf die Idee gekommen, Werbung für einen sekulären Lebensstil auf Bussen zu platzieren. In London hat das wunderbar geklappt.
In Deutschland.... nicht so. Viele deutsche Verkehrsbetriebe, die weltanschauliche und religiöse Werbung führen, haben schon das unten dargestellte Motiv abgelehnt. Die meisten ohne Begründung, die Bremer aus Angst, die Gäste des Kirchentages so mies zu stimmen, wie ich bin, wenn ich in der U-Bahn lese, dass ich mich von Jesus Christus retten lassen soll.

Es folgt das unvermeidliche Zitat aus dem Grundgesetz:
Niemand darf wegen (...) seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. (...)
Art 3 Abs 3 GG
Mehr Kritik des Verhältnisses von Staat und Religion in diesem Blog im Mai 2008 erschienen als „Religiöses Gewand”.
Don Wolfgang Schäuble und die Großverschwörung unter Angie Merkel haben schon als es darum ging, Flugzeuge abzuschießen, erkannt, dass das Grundgesetz ein unnützer alter Schinken ist, der der Realpolitik von heute nur im Wege steht. Diese abscheuliche Ansicht hat jener Haufen vor kurzem noch einmal bestätigt, aber überlegen wir uns zunächst einmal, was passieren würde, wenn große Politiker die Verfassung zum eigenen Vorteil ändern sollten...
Blicken wir ins Ausland, sehen wir, dass die Amtszeit des russischen Präsidenten um zwei Jahre verlängert wurde. Und, wie reagierte die Bevölkerung ?
Wenn die Politiker meinen, dass sie das brauchen, wird das schon richtig sein.
Der Vergleich mag suboptimal sein, in Deutschland steht ja viel mehr auf dem Spiel, aber zumindest ist er aktuell.
Schäuble hasst bekanntlich kleine Parteien, und wünscht sich, dass ihre Stimme im Bundesrat effektiv wertlos sei, damit er mit seinen leicht roten Freunden von der SPD ungestört über seine Untertanen herrschen kann (nach Verabschiedung des BKA-Gesetzes natürlich). Bislang haben die kleinen Parteien sich in Koalitionsverträgen auf Landesebene Nein-Stimmen in Form von Enthaltungen im Bundesrat gesichert. Das ist besonders wichtig, wenn es eine große Koalition gibt, die somit in ihrer Macht ein klein wenig eingeschränkt ist.
Ist Demokratie denn so schwer zu verstehen ?
Dies ist eine Geschichte aus dem Alltag eines zivilisierten, vernünftigen Kollegstufenschülers am Gymnasium Geretsried in Bayern. Ähnliches spielt sich wahrscheinlich täglich überall im Land ab.
Nach der 6. Stunde, 13:05 Uhr, regulärer Unterrichtsschluss. Die „5” nach der „13” mag in der Unter- und Mittelstufe zwar meist eine reine Formsache sein, das ist aber nicht immer und überall so. Also, um fünf nach eins endet der Unterricht, dann heißt es Zeug zusammenpacken und in einem normalen Schritttempo das Schulhaus verlassen. Daran, dass die Wände seit Jahren nach Baustelle aussehen und die Kabel von der Decke hängen, hat man sich schon längst gewöhnt—egal wie viel man sich beschwert, vor 7 Jahren war die Schule intakter—den dunklen Betonklotz aus den 70ern, der sich „Schule” schimpft, möchte man aber eigentlich doch relativ flott verlassen.
Draußen, an der Luft, wechselt man noch schnell ein paar Worte mit einem Mitschüler, zugerufene Àdieux, und schon ist man in der Unterführung zur Bushaltestelle. Nicht besonders angenehm, vom Geruch bis zu den zwar frisch geweißelten, doch aber mit schlechtem Graffiti beschmierten Wänden, aber man kann ja nicht immer vor den Fünftklässlern über die Straße rennen, vor allem nicht, wenn Polizei oben steht. Da geht neben einem ein guter Freund, Ich finde das unverschämt, dass wir für den Scheiß jetzt zahlen müssen!
; Recht hat er, und auch diejenigen Schüler, die genügend Geschwister haben, um die Fahrt zwischen Daheim und Schule erstattet zu kriegen, sind sich einig: Nicht einmal Einzelkinder in der Oberstufe sollten den Bus zu einer öffentlichen Schule bezahlen müssen, nicht in diesem unseren Sozialstaat.
Auch die Situation an der Bushaltestelle kann nicht begeistern: es stehen die zwei üblichen langen Busse da. Der Erste, proppenvoll, schließt gerade die Türen, um wegzufahren. Im Zweiten ist auch nicht mehr Platz. Im Gegenteil: obgleich die Insassen (was nicht heißen soll, dass viele sitzen) kaum noch Platz zum atmen haben, befindet sich an der Tür noch eine Traube von etwa 10 jüngeren Schülern, die sich mit letzter Kraft reinzuquetschen versuchen. Etwas weiter hinten stehen dann etwa 60 weitere Schüler, die rauchen und ratschen, weil sie wissen, dass in den Schulbussen kein Platz ist.
Wie lange wird das noch dauern ? Nach einigen Minuten kommt schon ein Paar Linienbusse. Die Tatsache, dass sie unterschiedlich Linien bedienen, stiftet zwar etwas Verwirrung, aber schnell haben sich auch hier Trauben an allen vier Türen gebildet, und jeder versucht mit Gewalt, noch einen Stehplatz zu bekommen. Aber, was heißt hier jeder ? Manch einer sieht ein, dass man eigentlich zuerst Leute aussteigen lassen sollte, dass die Chancen, überhaupt einen Platz zu bekommen, infinitesimal sind, und dass diese Art des Einsteigens eigendlich zutiefst barbarisch ist. Man wünscht sich eigentlich, dass alle sich ganz normal anstellen, und die Leute hinten ungehindert Aussteigen lassen, aber das scheint in Deutschland ja nicht zu gehen. Die Busse sind weg, jetzt heißt es zunächst fünf bis zehn Minuten warten—wenn man Glück hat, kennt man irgendjemanden, der auch wartet, mit dem man das Warten einigermaßen überbrücken kann.
Der nächste Bus war vermutlich schon an einer anderen Schule, von Platz kann da keine Rede sein. Langsam wünscht man sich, man hätte den Unterricht doch wie in der Unterstufe um 12:55 Uhr eigenmächtig beendet, um zum Bus zu rennen, aber wo kämen wir denn da hin ? Kaum ist es 13:26 Uhr, schon kommt der nächste kurze Linienbus. Von Platz kann da zwar auch keine Rede sein, die Bushaltestelle wird aber langsam leer. Um nicht noch eine Viertelstunde warten zu müssen, quetscht man sich dann halt als letzter in den Bus. Um zwei Uhr ist man dann vielleicht zu Hause, und die Busfahrt war keineswegs angenehm; kein Wunder, dass so viele in der Regel ehrliche Schüler sich für dafür entscheiden, schwarz zu fahren.
Copyright © 2008 Thomas Jollans. Die Verwendung dieses Textes unterliegt der Creative Commons Namensnennung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz
Hinweis: Dieser Artikel ist mit der Ratifikation des Vertrages von Lissabon in Irland und anderswo irrelevant geworden.
Die meisten meiner Leser, wenn ich denn deutschsprachige Leser habe, dürften vom Scheitern des Vertrags von Lissabon an der irischen Bevölkerung gehört haben. Das Internet-Portal der Süddeutschen Zeitung schrieb dazu am vergangenen Freitag:
Die Iren haben den EU-Reformvertrag mit 53,4 Prozent Gegenstimmen abgelehnt. Mit wenigen Ausnahmen reagieren Politiker quer durch die Länder und Lager mit Bestürzung. Die Suche nach einem Ausweg läuft auf Hochtouren - Kommissionspräsident Barroso, Kanzlerin Merkel und der französische Präsident Sarkozy rufen die Mitgliedsstaaten zur Fortsetzung des Ratifizierungsprozesses auf.
Als ich am Freitag in den Tagesthemen in der Halbzeitpause davon hörte war ich zunächst enttäuscht, wie ein Freund, der in dem Moment auch aufgepasst hatte. Wenn ich mich recht entsinne, war von dem Jungliberalen ein Warum mussten die auch das Volk abstimmen lassen?
zu hören. Ich habe seitdem meine Meinung zur Situation revidiert, und kann jetzt wie am Freitag ganz und gar nicht mit der kritischen Sicht meines Freundes übereinstimmen.
Ich möchte ein großes, geeintes Europa, eine starke Europäische Union und grenzübergreifende Demokratie auf diesem unseren Kontinent. Genau das sollte der Vertrag von Lissabon wohl bringen, und das war wohl mit ein Ziel der gescheiterten EU-Verfassung. Jedoch hat der Vertrag von Lissabon ein enormes Problem, das mit Versprechungen an die Iren oder einem Europa der zwei Geschwindigkeiten
niemals gelöst werden kann: er ist alles andere als volksnah, man kann ihn nicht lesen wenn man sich nicht zehn-fünfzehn Jahre lang mit Jura und den Europäischen Verträgen beschäftigt hat. Die Parlamente ratifizieren ihn gerne und schnell, da die führenden Parteien den Abgeordneten, die den Vertrag selber nie lesen werden, sagen, dass alles in Ordnung ist, die irische Bevölkerung sieht das ganz anders: nach Jean-Jacques Rousseau (und Art 20 GG) ist sie der Souverän, und sollte demnach auch etwas davon verstehen, was los ist. Eine Volksabstimmung halte ich natürlich für vollkommen richtig, da sie als gerechtes Instrument der direkten Demokratie wohl das beste verfügbare Mittel ist, um den hypothetischen Volkswillen festzustellen.
Was Europa braucht ist nicht ein undurchsichtiger Urwald voller unlesbarem Vertragswerk, Europa braucht eine Verfassung. Nicht die schon gescheiterte EU-Verfassung, also nicht, auf gut Deutsch, ein riesiger Schinken von Gesetz wo jeder Scheiß detailliert drin steht, inklusive Pläne für ein Unionsmilitär. Nein, Europa braucht eine einfache, kurze, gut strukturierte Verfassung, wo das nötigste enthalten ist. Ein gut lesbares, kleines Buch das die Leute verstehen können — kleiner und einfacher als das Grundgesetz wäre ganz nett. Es müssen nicht alle Details enthalten sein: Der Satz "Näheres regelt ein Unionsgesetz" ist nicht verboten.
Ich verstehe die Iren: sie lassen sich nicht von irgendwelchen hohen Tieren in Brüssel oder Dublin einen juristischen Kauderwelsch verkaufen. So einfach funktioniert repräsentative Demokratie dann auch wieder nicht.
Gestern Freitag, den 16. Mai 2008, fing der Hauptartikel im Merkur (den man meist getrost überspringen kann), mal wieder saftig an:
München/Stuttgart — Mit scharfer Kritik haben Union und SPD auf ein Gerichtsurteil regiert, das Nonnen und Mönchen das Tragen ihrer Ordensgewänder an öffentlichen Schulen in Baden-Württemberg verbietet. Demnach sind künftig nicht nur Kopftücher,sondern auch Kutten untersagt.
„Die Gleichsetzung einer Ordenstracht mir dem Kopftuch verbietet sich schon deshalb, weil das Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung ist”, krirtisierte CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer.
Das Thema wurde summa summarum mit etwa einer Seite politischem Schlamm gewürdigt, natürlich gezielt gegen muslimische Kopftücher und für Kutten argumentiert, die jüdische Kippa findet nur in einem Nebensatz Erwähnung. Die Argumentation läuft eigentlich durchgehend auf eine Idee hinaus: Mönchsgewänder seien abendländische Kultur, Kopftücher seien hingegen zu verabscheuende politische Symbole der Unterdrückung. Kopftüchen müsse man also verbieten, Kutten aber behalten und schätzen — man könne sie in keinem Falle gleichsetzen, vor allem nicht in unserem christlichen Kulturkreis.
Denken wir zurück an die Ursprünge des nicht unumstrittenen Kopftuchverbots: Kopftücher wurden als religiöse Symbole geächtet, zeitweise wurde auch erwägt, die Regelung auf große Kruzifixe anzuwenden. So steht es auch, zumindest in Baden-Württemberg, im Gesetz: „religiöse Bekundungen” — das trifft zweifellos auch auf Kutten zu. Ich halte ein solches Verbot für unnötig, aber wenn man sie hat, sollte man damit, um der Götter Willen, keinen diskriminieren und sie konsequent anwenden.
Desweiteren sind in der Zeitung einige hochinteressante Zitate zu finden, zum Beispiel:
Mit diesem Kopftuch-Urteil schafft die rechtsprechende, dritte Gewalt nur vorgeblich mehr Gerechtigkeit. In Wahrheit planiert sie willfährig die christlich-abendländische Werteordnung und damit das Fundament unserer freiheitlichen Gesellschaft ein, um Platz zu schaffen für multiethnische Werte-Beliebigkeit. Soll uns die Scharia irgendwann ebenso als Rechtsquelle dienen wie die Aufklärung, Humanismus und Christentum ? Eine Katastrophe.
Herr Anastasiadis, glauben sie wirklich, dass eine große Dosis öffentliches Christentum unsere Gesellschaft vom Zerfall bewahrt ? Man könnte sagen, sie widersprechen sich selbst — vor der Aufklärung wurden abscheuliche Gräueltaten von der römisch-katholischen Kirche durch die Religion gerechtfertigt, und es hat sich doch irgendwann die Trennung von Kirche und Staat durchgesetzt. Unser Grundgesetz bezieht sich nicht als solches auf das Chirstentum, legt aber einen wichtigen Grundstock für unsere Werte in Gegenwart und Zukunft.
Von einem „weiteren Schritt des Hinausdrängens der Kirchen aus dem öffentlich-staatlichen Raum” spricht Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse, Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken (ZdK)
Na na, Herr Thierse, seit wann hat Kirche im öffentlich-staatlichen Raum überhaupt etwas zu suchen ? Theoretisch hat doch der Staat mit Kirche nichts am Hut...
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