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Religiöses Gewand

Gestern Freitag, den 16. Mai 2008, fing der Hauptartikel im Merkur (den man meist getrost überspringen kann), mal wieder saftig an:

München/Stuttgart — Mit scharfer Kritik haben Union und SPD auf ein Gerichtsurteil regiert, das Nonnen und Mönchen das Tragen ihrer Ordensgewänder an öffentlichen Schulen in Baden-Württemberg verbietet. Demnach sind künftig nicht nur Kopftücher,sondern auch Kutten untersagt.

„Die Gleichsetzung einer Ordenstracht mir dem Kopftuch verbietet sich schon deshalb, weil das Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung ist”, krirtisierte CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer.

Das Thema wurde summa summarum mit etwa einer Seite politischem Schlamm gewürdigt, natürlich gezielt gegen muslimische Kopftücher und für Kutten argumentiert, die jüdische Kippa findet nur in einem Nebensatz Erwähnung. Die Argumentation läuft eigentlich durchgehend auf eine Idee hinaus: Mönchsgewänder seien abendländische Kultur, Kopftücher seien hingegen zu verabscheuende politische Symbole der Unterdrückung. Kopftüchen müsse man also verbieten, Kutten aber behalten und schätzen — man könne sie in keinem Falle gleichsetzen, vor allem nicht in unserem christlichen Kulturkreis.

Denken wir zurück an die Ursprünge des nicht unumstrittenen Kopftuchverbots: Kopftücher wurden als religiöse Symbole geächtet, zeitweise wurde auch erwägt, die Regelung auf große Kruzifixe anzuwenden. So steht es auch, zumindest in Baden-Württemberg, im Gesetz: „religiöse Bekundungen” — das trifft zweifellos auch auf Kutten zu. Ich halte ein solches Verbot für unnötig, aber wenn man sie hat, sollte man damit, um der Götter Willen, keinen diskriminieren und sie konsequent anwenden.

Desweiteren sind in der Zeitung einige hochinteressante Zitate zu finden, zum Beispiel:

Mit diesem Kopftuch-Urteil schafft die rechtsprechende, dritte Gewalt nur vorgeblich mehr Gerechtigkeit. In Wahrheit planiert sie willfährig die christlich-abendländische Werteordnung und damit das Fundament unserer freiheitlichen Gesellschaft ein, um Platz zu schaffen für multiethnische Werte-Beliebigkeit. Soll uns die Scharia irgendwann ebenso als Rechtsquelle dienen wie die Aufklärung, Humanismus und Christentum ? Eine Katastrophe.

Herr Anastasiadis, glauben sie wirklich, dass eine große Dosis öffentliches Christentum unsere Gesellschaft vom Zerfall bewahrt ? Man könnte sagen, sie widersprechen sich selbst — vor der Aufklärung wurden abscheuliche Gräueltaten von der römisch-katholischen Kirche durch die Religion gerechtfertigt, und es hat sich doch irgendwann die Trennung von Kirche und Staat durchgesetzt. Unser Grundgesetz bezieht sich nicht als solches auf das Chirstentum, legt aber einen wichtigen Grundstock für unsere Werte in Gegenwart und Zukunft.

Von einem „weiteren Schritt des Hinausdrängens der Kirchen aus dem öffentlich-staatlichen Raum” spricht Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse, Mitglied im Zentralkomitee der Katholiken (ZdK)

Na na, Herr Thierse, seit wann hat Kirche im öffentlich-staatlichen Raum überhaupt etwas zu suchen ? Theoretisch hat doch der Staat mit Kirche nichts am Hut...

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